Abhandlung über den Ursprung der Sprache
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"... die Sprache wird ein Proteus auf der runden Oberfläche der Erde."
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Abhandlung über den Ursprung der Sprache (Taschenbuch) Herders Abhandlung - 1770 veröffentlicht - hat bis heute Wirksamkeit und gehört zur Standardlektüre eines jeden Sprachphilosophen und -wissenschaftlers. Der Aufsatz unterteilt sich in "Haben die Menschen, ihren Naturfähigkeiten überlassen, sich selbst Sprache erfinden können" und "Auf welchem Wege der Mensch sich am füglichsten hat Sprache erfinden können und müssen". Grundsätzlich ist die Schrift polemisch gegen zeitgenössische Thesen und Theorien (Süßmilch, Condillac). So signalisiert Herder im ersten Satz seinen Ernüchterungsversuch: "Schon als Tier hat der Mensch Sprache." Der Klang der Gefühle als verlautbarte Töne ist das vom Menschenverstande losgebundene, ursprünglich Elementare einer Sprache ("Naturtöne"). Doch sind Laute schon Sprache? "Der Mensch, in den Zustand von Besonnenheit gesetzt, der ihm eigen ist, und diese Besonnenheit (Reflexion) zum erstenmal frei würkend, hat Sprache erfunden." Die mechanischen Laute der Seele verwandeln sich in Gedanken des Geistes, die "lippenbewegt" zur Welt "worten"? Kritikpunkt ist der hermeneutische Zirkel: Sprache wird mit Hilfe der Vernunft erfunden, jedoch ist Sprache (also auch Kopfsprache) Bedingung der Vernunft - wie also soll Sprache möglich sein, wenn sie Vernunft braucht, die ihrerseits nur möglich sein kann, wenn sie Sprache braucht? Hier bleibt es trüb und dunkel. Es heißt nur: "Bei sinnlichen Geschöpfen, die durch viele verschiedne Sinne auf einmal empfinden, ist diese Versammlung von Ideen unvermeidlich; denn was sind alle Sinne anders als bloße Vorstellungsarten EINER positiven Kraft der Seele?" Dennoch: ist Sprache gegeben, so auch ihre Genetik (in der ersten Besinnung <<< Kognition?) und Progression! Das ersinnte "Merkmal" ist innern Sprache, wird durch "Verlautung" das Wort zur äußern Sprache. "... dadurch wird jeder Sinn sprachfähig." Herder drückt dies Phänomen der sprachlichen Entwicklung so aus: "... so werden alle Zustände der Besonnenheit in ihm sprachmäßig: seine Kette von Gedanken wird eine Kette von Worten." Ist es nicht paradox, dass die Wurzeln der Sprachen nun doch eine lineare Triebhaftigkeit besitzen? "Aber Worte selbst, Sinn, Seele der Sprache - welch ein unendliches Feld von Verschiedenheit!" Zurück zur Progression: "Seine [des Menschen] Seele ist gewohnt, immer das, was sie sieht, zu reihen mit dem, was sie sahe, und durch Besonnenheit wird also ein progressives EINS aller Zustände des Lebens - mithin Fortbildung der Sprache." Was Herder hier meint, ist die Befähigung der Sprache nicht nur ontogenetisch, sondern phylogenetisch Entwicklungs- also Evolutionspotenzial mitzubringen, zum einen durch die Tradition, zum anderen durch die Gewohnheit. Diese und andere Thesen dann in seinen "4 Naturgesetzen" expliziert...

Zusammenfassung: Göttlichen Urspunges kann die Sprache nicht sein, denn dann wäre sie immer schon da wie bei der Biene die "Grammatik der Honigwabe". So ganz tierischen (biologischen) Ursprunges kann sie nicht sein, da der Mensch sich ihrer - ganz homo-faber-technisch - (als Werkzeug) bemächtigt. Was Herder somit vorlegt, ist eine Art Sprachphilosophie vor dem Hintergrund einer Anthropologie, die das Göttliche ausklammert und den Menschen selbst und dessen Kunstfähigkeit als Folge sinnlicher und geistiger Freiheit die Bedingung zur Möglichkeit von Denken und folgerecht Sprache konstiuiert. Dennoch ist unklar, wie der Gedanke von der Sprache getrennt wird (getrennt werden kann?). Inwieweit Linien zum Ursprung auf eine gemeinsame (vorbabylonische) Protosprache gezogen werden können?
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 5. August 2010
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