|
| Der Brief des Lord Chandos: Schriften zur Literatur, Kunst und Geschichte
|
| |
"Was ist der Mensch, dass er Pläne macht?" (von Hofmannsthal)
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) Rezension bezieht sich auf: Der Brief des Lord Chandos: Erfundene Gespräche und Briefe (Taschenbuch) Hofmannsthal (1874-1929) ließ 25 jährig von der Lyrik ab, weil er sich als großer Dramatiker nach dem ersten Weltkrieg zu etablieren versuchte. Und mit 27 verfasste er einen Brief als Lord Chandos, einer Phantasiefigur. So ist dieser Einstieg in das Hofmannsthal Werk recht günstig, zumal der Lord schrieb, sich von der Literatur zurückgezogen zu haben und sich nun (fiktiv) bei einem älteren Freund, dem Staatsmann Francis Bacon "wegen des gänzlichen Verzichts auf literarische Betätigung zu entschuldigen" versucht. Vermutlich ein Versuch, seine Entscheidung zu erklären, denn "Was ist der Mensch, dass er Pläne macht!" Doch gedeutet wird hier der Text als Sprachskepsis und Bewusstseinskrise in den Künsten an sich zwischen 1900 und 1914. John Ruskin erklärte einmal, ein Dichter sei ein Mensch, zu dem die Dinge sprechen. Hofmannsthal: "nämlich weil die Sprache, in welcher nicht nur zu schreiben, sondern auch zu denken mir vielleicht gegeben wäre, weder die lateinische noch die englische, noch die italienische oder spanische ist, sondern eine Sprache, in welcher die stummen Dinge zuweilen zu mir sprechen, und in welcher ich vielleicht einst im Grabe vor einem unbekannten Richter mich verantworten werde." In diesem Brief wird dieser eigentlich unerreichbare Zustand angestrebt.
Nun, um diesen Titel ranken weitere kleine Essays, Geschichten, Erzählungen und fiktive Breife jeweils zum Zeitgeist. Hofmannsthal reflektiert über Literatur, Kunst und Geschichte, bringt seine Erfahrung in den Zusammenhang der historischen Entwicklung wie der literarischen Umgestaltung im beginnenden 20. Jahrhundert. Mit dem fiktiven Brief wird ein hohes Maß an (Selbst-) Kritik deutlich, in dem die Grenzen der Ausdrucksfähigkeit, der -möglichkeiten der literarischen Sprache, ja der Kunst öffentlich gemacht, öffentlich zum Diskurs gestellt werden. Letztendlich ist Chandos der Schlüsseltext, zumindest nach Walter Jens, der den Ausgangspunkt der radikalen Änderung von Stil und Thema um 1900 analytisch beginnend betrachtete.
Die nervöse Spannung zwischen dem Gegenwärtigen und dem Möglichen prägt die Moderne wie auch Hofmannsthal selbst. Literarischen Beistand in der Bestandsaufnahme holt er durch brillante Rezensionen über die Werke seiner Vorgänger wie Barres, Swinburne, D'Annunizio, Ibsen und seinem kurzzeitigen Freund Stefan George. Literatur und Schriftum in der Betrachtung als geistiger Raum einer Nation, eine Rede an der Uni München, zeigt die Weise des Zusammenspiels zwischen Schriftsteller und Leser und zwischen Schriftstellern an sich, die in sich die Bürde tragen, den anderen um nur ein wenig überragen zu müssen.
Insgesamt ein guter Einstieg in der Werk Hofmannsthal liegt nun als Empfehlung bereit. Eine Freude ist das Lesen ob der göttlichen Sprache.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 21. Juni 2008 | | |
| | | | |
| | | Zur Übersicht ... |
 |  |  |  |  |  | | |
| |
Angebote zu , , ab 1 Euro!
|
| Siehe auch folgende Artikel: |
|
| | | Königs Erläuterungen und Materialien,... Erläuterungen und Dokumente zu Friedrich Schi... Die Jungfrau von Orleans: Eine romantische... EinFach Deutsch - Textausgaben: Die Marqu... Abhandlung über den Ursprung der Sprache EinFach Deutsch Unterrichtsmodelle. Heinrich...
|
| | Mehr zu Deutsch
|
| | Home ..., , Begleitseite ... |
|
|
| | Herausgeber dieser Seite ist DomainLoc.com GmbH - Partner von |
Copyright © DomainLoc.com GmbH (Impressum) |
| |